Die VNG‑Stiftung hat am Freitag, den 24. April, den VNGart‑Preis verliehen. Der Förderpreis wird im Rahmen der Kunstinitiative VNGart vergeben und würdigt herausragende junge künstlerische Positionen aus Mitteldeutschland.
Ausgezeichnet wurden David Kind von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sowie Dayoung Jung von der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Der VNGart‑Preis ist mit jeweils 3.000 Euro dotiert und richtet sich an Studierende, die sich in ihren Arbeiten mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen auseinandersetzen.
Im diesjährigen Kunstwettbewerb setzten sich die Teilnehmenden unter dem Motto „Gemeinschaft im Wandel“ mit Fragen von kollektiver Zugehörigkeit, Erinnerung und gesellschaftlicher Veränderung auseinander. Die beiden Preisträger überzeugten die Fachjury mit sensiblen und eindringlichen Arbeiten, die aktuelle soziale und kulturelle Entwicklungen reflektieren.
Der Wettbewerb stieß auch in diesem Jahr auf große Resonanz. Bewerbungen von Studierenden der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, der Bauhaus‑Universität Weimar, der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sowie der Hochschule für Bildende Künste Dresden unterstrichen die Vielfalt und Qualität der eingereichten künstlerischen Positionen.
David Kind (*1990 in Gerolstein) ist Studierender der zeitbasierten Künste an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Er arbeitet an der Schnittstelle von experimentellem Film, Dokumentation und Medienkunst. Seine für den VNGart-Preis eingereichten Arbeiten setzen sich mit sozialen Brüchen, Gewalt und Erinnerung auseinander und rücken Gemeinschaft als fragiles Gefüge in den Fokus. Im experimentellen Dokumentarfilm „Gelände“ untersucht Kind die gesellschaftlichen und historischen Kontexte rechter Gewalt und fragt nach Mechanismen von Verdrängung und Normalisierung. Die Videoinstallation „Bastard“ thematisiert psychische Gewalt im Kontext des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und lotet moralische Ambivalenzen von Empathie und Verantwortung aus. Mit der persönlichen Kurzdokumentation „In den Wohnungen meiner Mutter sind viele Türen“ richtet Kind den Blick auf familiäre Gewaltstrukturen und deren Weitergabe über Generationen hinweg. Seine Arbeiten verstehen Gemeinschaft nicht als stabile Einheit, sondern als wandelbaren, konfliktreichen Raum, in dem Verletzlichkeit und Veränderung gleichermaßen angelegt sind.
Dayoung Jung (*1992 in Suwon, Südkorea) ist Medienkünstlerin und Studentin der Klasse Installation und Raum an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit Räumen als Träger sensueller, emotionaler und historischer Narrative. In der für den VNGart-Preis eingereichten Video und Installationsarbeit „Du neben uns“ sowie der Forschungsarbeit „We, We, We and We“ setzt sie sich mit kollektiver Erinnerung und marginalisierten Perspektiven auseinander. Ihre Arbeit verbindet persönliche Erzählungen mit archivierten Fotografien und macht Formen gemeinsamer Geschichte sichtbar, die lange übersehen wurden. Im Zentrum steht die Frage, wie Erinnerung bewahrt, vermittelt sowie historisiert werden kann und wessen Stimmen dabei Teil einer gemeinsamen Erinnerungskultur sind. In diesem Kontext bringt Jung Vergangenheit und Gegenwart in einen sensiblen Dialog zueinander und begreift Gemeinschaft als vielstimmiges und offenes Narrativ. Ihre Arbeiten laden das Publikum dazu ein, bestimmte Räume und Sinne von Erinnerung selbst zu durchlaufen.
Die VNG-Stiftung freut sich, regionale Nachwuchskünstler und -künstlerinnen zu fördern und deren beeindruckende Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Herzlichen Glückwunsch an die Preisträgerinnen!
Bilder: Eric Kemnitz

